Archiv vergangener Ausstellungen

2018

3. Februar bis 6. Mai 2018
Die Neunte Kunst: Aktuelle deutsche Graphic Novels

Unter dem Titel „Die Neunte Kunst“, hinter dem sich die Kunst des Comics verbirgt, gibt es erstmalig eine große Kooperationsausstellung im Stadtmuseum Oldenburg, im Horst-Janssen-Museum und im Edith-Russ-Haus für Medienkunst zu sehen. Aus ganz unterschiedlichen Perspektiven widmen sich die drei Häuser dem Thema Graphic Novels, also Grafischen Erzählungen, die mit ihrer Verbindung von Text- und Bildelementen zur sogenannten Neunten Kunst zählen. Jede Ausstellung zeigt einen in sich abgeschlossenen Schwerpunkt, zusammen bilden sie jedoch drei Kapitel derselben Erzählung.

Kapitel I:
Die Geschichte des Comics

Kapitel II:
Aktuelle deutsche Graphic Novels

Kapitel III:
Unwanted Stories

13 zeitgenössische, national wie international ausgezeichnete Comiczeichnerinnen und –zeichner aus Deutschland zeigen im Horst-Janssen-Museum ihre neuesten Arbeiten. Den Auftakt dazu bilden die Zeichnungen des deutschen Graphic Novel-Pioniers Hans Hillmann. In der Schau geht es nicht in erster Linie um die Comic-Prints und die Bücher selbst. Vielmehr sollen die Originalzeichnungen und die Vorgeschichte der Bücher im Fokus stehen. Die Besucher können erleben, wie individuell die Künstlerinnen und Künstler an ihre Projekte herangehen, wie verschiedenartig ihre Gestaltungsmittel, ihre Handschriften, Erzählweisen und technischen Verfahren sind.

Die ausgestellten Graphic Novels sind nicht nur stilistisch, sondern auch thematisch breit aufgestellt. Die Geschichten erzählen von einschneidenden Erfahrungen aller Art, von Alltagsdramen und persönlichen Traumata. Katastrophen im Kleinen sind mit weltpolitischen Erschütterungen verstrickt. Geschichtliche Ereignisse sind gleichermaßen Gegenstand wie aktuell Gesellschaftspolitisches. Neben autobiografischen Stoffen und Biografien finden sich Auseinandersetzungen mit Klassikern der Weltliteratur oder auch Comics, die als Reportagen angelegt sind.

Das Rahmenprogramm zur Ausstellung bietet ein breites Angebot an Mitmach-Möglichkeiten. Dazu gehören von Künstlerinnen und Künstlern geleitete Comic-Workshops, Comic-Lesungen, eine Comic-Tauschbörse, Live-Drawing-Aktionen und Signierstunden.
 

27. Mai bis 26. August 2018
Man Ray. Magier auf Papier

Man Ray hat als Maler, Objektkünstler und insbesondere als Fotograf großen Einfluss auf die moderne Fotografie und auch die Filmgeschichte genommen. Er zählt zu den einflussreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Seine künstlerischen Arbeiten gehören zu den Ikonen der Moderne. Mit großer Experimentierfreude und ebensolcher Freiheit in der Wahl der künstlerischen Mittel versuchte Man Ray in seinen Werken, die Grenzen der Kunst zu überschreiten. Mit über 120 Arbeiten widmet sich das Horst-Janssen-Museum seinen Arbeiten auf Papier. Zu sehen sind unter anderem die bekannten Fotografien, aber auch seine bislang wenig gezeigten Zeichnungen und druckgrafische Serien wie sein subtil-erotisches ‚Alphabet pour Adultes‘.

Begonnen hat der 1890 in den USA geborene und 1976 in Paris gestorbene Künstler mit der Malerei, zunächst allerdings mit nur mäßigem Erfolg. Erst die Fotografie ermöglichte es ihm, von seiner Kunst zu leben. Im Paris der 1920er und -30er Jahre war er eine zentrale Figur des Dadaismus und Surrealismus mit engen Kontakten zur künstlerischen Avantgarde. Er entwickelte einen eigenen, unverwechselbaren Stil, mit dem er vor allem seine Porträtfotografien inszenierte.

Man Rays Lieblingsmotive waren schöne Frauen, wie etwa seine Geliebten, das Model Kiki de Montparnasse und seine Schülerin und Assistentin Lee Miller. Er entwickelte ideenreich durchdachte Positionierungen seiner Modelle vor der Kamera und schuf eine magisch anmutende Lichtgebung innerhalb der Szenerien.  Revolutionär ist Man Rays Entwicklung der Rayografie. Dabei legte er Alltagsgegenstände auf Fotopapier und setzte sie verschiedenen Lichtquellen aus. Die verschwommenen Konturen dieser "Fotos ohne Kamera" fanden bei den Dadaisten und später bei den Surrealisten großen Anklang. Der Dichter Jean Cocteau bezeichnete Man Ray als "Poeten der Dunkelkammer". 

Zum Seitenanfang

2017

4. Februar bis 30. April 2017
Sound goes Image – Partituren zwischen Musik und Bildender Kunst

Die Ausstellung „Sound goes Image – Partituren zwischen Musik und Bildender Kunst“ beschäftigt sich mit dem Phänomen der musikalischen Grafik und eröffnet unseren Museumsbesuchern einen völlig neuen Kosmos. Es geht um Partituren, die zunächst in den Bereich der Musik gehören, aber spätestens seit der New York School of Composers (Mitte des 20. Jahrhunderts) nicht mehr nur klassische Notenschriften sind. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Die Komposition soll Interpreten und Hörern mehr Handlungsspielraum eröffnen, die Erzeugung von Klängen wird nichtlänger klassischen Musikinstrumenten oder Singstimmen überlassen, bis hin zu Grafiken, deren musikalische Umsetzung nur eine von vielen Interpretationsmöglichkeiten ist. Diese Entwicklungen schlagen sich in einer individuellen „Schreibweise“ der Partitur nieder. Die Grenzen zur Bildenden Kunst verschwimmen und es entstehen wunderbare, individuelle, bildhafte Handschriften. Von farbig gestalteten und ungewöhnlich angeordneten Notenlinien, über comicartige, lautmalerische Partituren bis hin zu gänzlich freien, rein gestischen Zeichen, die jedoch immer als Kompositionen gelesen werden können.

In der Ausstellung werden Autographen von Mary Bauermeister, Cathy Berberian, Sylvano Bussotti, John Cage, Hanne Darboven, Ulrich Eller, William Engelen, Roman Haubenstock-Ramati, Anestis Logothetis, Robert Moran, Tona Scherchen-Hsiao, Moritz v. Schwind, Karlheinz Stockhausen, Jorinde Voigt und Grzegorz G. Zgraja gezeigt.

Hörbeispiele ermöglichen den Museumsgästen, die Partituren, die sie vor Augen haben, akustisch nachzuvollziehen. Darüber hinaus können die Besucherinnen und Besucher an einzelnen Stationen selbst aktiv werden, Klänge erzeugen, komponieren sowie sich musikalisch und zeichnerisch ausprobieren.


13. Mai bis 24. September 2017
Helene von Oldenburg: Janssen Revisited

Dem Horst-Janssen-Museum ist im Jahr 2016 der Ankauf einer großen Hamburger Privatsammlung gelungen. Die meisten Werke dieser Sammlung haben wir bereits gezeigt. Aus diesem Grunde werden wir etwas vermeintlich Bekanntes, schon Gesehenes aus neuen Blickwinkeln präsentieren. Deshalb haben wir die Künstlerin Helene von Oldenburg gebeten, einen neuen Zugang zu Horst Janssen zu entwickeln und ihren sehr subjektiven Blick auf die jüngst erworbenen über 300 Arbeiten zu werfen. Helene von Oldenburg bewegt sich mit ihrer Arbeit auf den Grenzgebieten zwischen Kunst, Wissenschaft und Medien.

In „Janssen Revisited“ analysiert Helene von Oldenburg die Zeichnungen von Horst Janssen aus der Nähe und im Detail. Sie zerlegt sie in kleinste Einheiten und überführt sie so in eine begrenzte Anzahl an Zeichen. Aus ihnen entwickelt sie eine Schrift, die auf jedem Computer oder Smartphone verwendet werden kann und auf der Website des Horst-Janssen-Museums bereitgestellt wird. Die Entwicklungsschritte von den Zeichnungselementen bis hin zu den neuen Schriftzeichen werden im Museum präsentiert. Alle können die neue Schrift testen: Helene von Oldenburg lädt Besucherinnen und Besucher zu Schriftübungen auf Papier, Smartphone oder Wandtafeln ein. Mit Stempeln aus den neuen Schriftzeichen können sie wiederum eigene Bilder anfertigen.

Die Reduzierung auf kleinste Zeichen ist nur eine Möglichkeit, den Blick in Janssens Bilder hinein zu lenken. Helene von Oldenburg experimentiert auch mit Übermalungen auf Glas und verschiedenen Hängungen und Hintergründen. So gelingt es ihr, einen neuen, nicht-musealen Raum zu schaffen. In diesem Umfeld präsentiert sie Janssens Zeichnungen als Werke aber auch als Material für ihre eigene Arbeit.


22. Oktober 2017 bis 14. Januar 2018
Horst-Janssen-Grafikpreis der Claus Hüppe-Stiftung
Tobias Dostal: Preisträger 2017

Tobias Dostal ist der 6. Grafikpreisträger, den das Horst-Janssen-Museum gemeinsam mit der Claus Hüppe-Stiftung in diesem Jahr präsentiert. Der 34-jährige Künstler aus Berlin hat die Jury zunächst durch sein zeichnerisches Werk überzeugt. Aber Dostal erschafft mit seinen Zeichnungen auch bewegte Bilder und filmische Illusionen. Verwandlungen von Menschen, Tieren und Gegenständen werden auf höchst überraschende Weise animiert und auf eigens entwickelten Projektionsapparaturen gezeigt. Zeichnung, Film und Installation gehen in Dostals Werk eine verblüffende Verbindung ein – technisch ausgeklügelt und poetisch zugleich.

Dabei interessiert sich der Künstler für eine analoge Herangehensweise. Durch diese werden das Erzeugen der Bilder und die visuellen Effekte nachvollziehbar gemacht. Mit der Inszenierung von Licht und Schatten sowie den Geräten und Vorrichtungen lädt er seine Kunstwerke magisch auf. So werden das Sehen und das Vorführen von Bildern selbst zum Thema. Tobias Dostal wird für seine Ausstellung in Oldenburg neue Arbeiten entwickeln. Eine Edition des Künstlers ist im Museumsshop zu erwerben.

Zum Seitenanfang

2016

28. Februar bis 22. Mai 2016
Move The Line – Zeichnung und Animation

In einem Haus für Zeichnung und Grafik, wie dem Horst-Janssen-Museum, ist es spannend und unverzichtbar, nach der „Zeichnung heute“ zu fragen. Die klassische Zeichnung auf Papier und ihre Erweiterung in den Raum hat die letzten Jahrzehnte bestimmt. In der Ausstellung „Move The Line“ werden Künstlerinnen und Künstler vorgestellt, die von der klassischen Zeichnung ausgehen, sie aber durch Animationen erweitern. Dabei inspirieren und ergänzen sich die Medien gegenseitig. Die Papierarbeit ist nach wie vor die analoge Formulierung des Gedankens, der Animationsfilm seine digitale Verlebendigung zu einem Thema.

Fünf Zeichnerinnen und Zeichner zeigen ihre Werke im Horst-Janssen-Museum Oldenburg und präsentieren neben ihren Handzeichnungen auf Papier digitale Bilder und Zeichentrickfilme, die in einem Dialog mit dem Computer stehen.

Robbie Cornelissen (*1954) zeichnet riesige architektonische Konstruktionen auf Papier und verwandelt seine Zeichnungen mit einem 3-D-Programm in eindrucksvolle virtuelle Räume. In der Filmprojektion kann man die schwindelerregende Fahrt durch endlose Gänge miterleben.

Matthias Reinhold (*1978) schafft eine intime Situation aus Zeichnungen, Alltagsgegenständen und einem Monitor, in der man sich durch digitale Bleistiftgebiete klicken kann. Der Kosmos der Dinge eröffnet sich allmählich in assoziativen Bildergeschichten, die der Betrachter beim Folgen der Links erkunden kann.

Bettina Munk (*1960) zeigt neben ihrer Zeichnungsserie eine Computeranimation, deren Komposition ebenso wie bei der Handzeichnung auf dem Zufallsprinzip beruht. Was in der analogen Zeichnung durch Würfelwurf als Momentaufnahme gebannt wurde, erscheint in der digitalen Animation fortlaufend durch programmierte Zufallsmodule und ergänzt sich in der Installation zu einem komplementären Ganzen.

Carolin Jörg (*1977) und der Designer Michael Fragstein (*1972) entwickelten zusammen ein Projekt, das die Wahrnehmung der stillen, feinen Tuschezeichnungen durch Augmented Reality erweitert. Im Computer lassen zusätzliche Ebenen der Bewegung und des Tons eine narrative Spur entstehen, die beim Bewegen des Tablets über die Zeichnungen eine neue Einheit erzeugt.


5. Juni bis 4. September 2016
Künstlerplakate – Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely

Niki de Saint Phalle (1930–2002), die Schöpferin der Nanas, der fröhlichbunten, voluminösen Frauenfiguren, und Jean Tinguely (1925–1991), der Konstrukteur kinetischer Maschinenplastiken aus Schrott, verband über drei Jahrzehnte eine außergewöhnliche Liebes- und Arbeitsbeziehung. Das Werk der beiden ist trotz seiner Verschiedenartigkeit deutlich von diesem Austausch geprägt.

Die Franko-Amerikanerin und der Schweizer begegneten sich erstmals 1955 in Paris. Beide wurden Mitglieder der rebellischen Künstlergruppe der „Nouveaux Realistes“ und torpedierten mit spektakulären Aktionen die gesellschaftlichen und künstlerischen Konventionen der Zeit.

Zur öffentlichen Bekanntmachung ihrer eigenen Kunstwerke und ihrer Gemeinschaftsprojekte entwarfen sie eine Fülle an Plakaten. Sie kündigten ihre laufenden Projekte an, ihre Ausstellungen, Happenings, Film und Theaterproduktionen, ihre architektonischen Arbeiten, ja sogar die Kreation eines Parfums. Auch Auftragsplakate führten beide Künstler aus, sei es für Filmfestspiele, Musikfestivals, den Zirkus oder anderweitige kulturelle Events.

In der Ausstellung zeigen wir rund hundert Exponate dieser Art, die aus der reichhaltigen Sammlung von Claus von der Osten aus dem Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg stammen. Die Plakate zeigen neben der großen und anhaltenden internationalen Präsenz auch den besonderen Facettenreichtum der Kreativität von Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely.

Die unkonventionellen Vorstellungen beider Künstler aufgreifend, können Museumsbesucher aller Altersklassen während der gesamten Laufzeit in den Ausstellungsräumen selbst aktiv werden. Zwei Kunststationen laden dazu ein, direkt mit den Kunstwerken oder auch mit anderen Museumsbesuchern in einen kreativen Austausch zu treten.


17. September 2016 bis 15. Januar 2017
Der Horst Janssen Archipel. Die Reise geht weiter …

„Der Horst Janssen Archipel“ ist die persönlichste und umfassendste Schau zu Leben und Werk von Horst Janssen, die das Museum je gezeigt hat. Nachdem im Altonaer Museum in Hamburg die Reise zum Janssen Archipel begonnen hat, geht die Entdeckungstour nun in Oldenburg mit einer Vielzahl neuer und überraschender Exponate weiter …

Der Besucher kann sich zwischen sechs Themeninseln treiben lassen und so Janssens Wirkungsorte, seine zum Teil sehr eigenwilligen Kommunikationsstrategien und -formen oder auch die den Künstler umgebende „Entourage“ entdecken und kennenlernen, die sich alle miteinander zu dem „Horst Janssen Archipel“ verdichten. Zu sehen sind Janssens meisterliche Feinstrichzeichnungen aus den 1960er Jahren, seine „Profizeichnungen“ der späteren Jahre, dazu Plakatentwürfe, Druckgrafiken und viele unbekannte und wenig gezeigte Arbeiten. Eigens zusammengetragen wurde dazu sehr Persönliches, wie Notizen, Fotografien, Briefe oder Liebesgaben für die Lebensgefährtinnen, ebenso Dinge, die den Künstler in seinem Alltag umgeben haben, wie sein Telefon oder sein Spiegel.

Erhellt wird der Blick auf diese Inselwelt durch drei Kurzfilme des Hamburger Filmemachers Hinrich Lührs, der bislang unbekanntes Filmmaterial von Peter Voss-Andreae eigens für die Schau audiovisuell zusammengestellt hat. Insbesondere durch die filmischen Einspielungen entspinnt sich ein fesselnder Dialog zu den Objekten der Schau, was die Reise zum „Horst Janssen Archipel“ zu einem vielschichtigen und überaus interessanten Erlebnis werden lässt.

Zum Seitenanfang

2015

25. Januar bis 26. April 2015
Beuys ohne Hut. Karin Székessy fotografiert Künstler

Mit dieser Ausstellung widmet sich das Horst-Janssen-Museum erstmals dem Medium der Fotografie. Gezeigt werden Porträts von über sechzig Künstlerinnen und Künstlern der Gegenwart, einfühlsam und sehr authentisch fotografiert von der Hamburger Fotografin Karin Székessy. Inspiriert durch persönliche Begegnungen mit Malern, Zeichnern, Grafikern und Bildhauern entstehen seit den späten 1950er Jahren bis heute meist in Schwarz-Weiß fotografierte Porträts. In ihnen gelingt es Karin Székessy, die enge Verzahnung zwischen dem dargestellten Künstler und seiner Kunst in die Fotografie einfließen zu lassen. Unter den Porträtierten finden sich so bekannte Künstlerpersönlichkeiten wie Joseph Beuys, Meret Oppenheim, Elvira Bach und Jonathan Meese. Durch ihr Einfühlungsvermögen erreicht es die Fotografin, im Moment der Aufnahme die Künstlerinnen und Künstler, ähnlich einem Psychogramm, in der Vielschichtigkeit ihres Wesen und ihrer Persönlichkeit zu erfassen.

Karin Székessy nennt diese Arbeiten Dialoge und drückt schon mit diesem Werktitel die bestehende Wechselwirkung zwischen der Fotografin, dem Künstler und dessen Kunst aus. Neben den Fotoporträts sind die dargestellten Künstler mit jeweils einer eigenen künstlerischen Arbeit in der Ausstellung vertreten. Die Schau gibt somit einen Abriss über die Kunstgeschichte der vergangenen fünfzig Jahre und beleuchtet nebenher das künstlerische Umfeld von Horst Janssen. Karin Székessy zählt zu den wichtigsten Fotografinnen Deutschlands.


14. Mai bis 6. September 2015
Salvador Dalí – Illustrator. Der geniale Spanier und die Weltliteratur

Salvador Dalí hat neben seinen surrealistischen Gemälden, mit denen er berühmt wurde, auch Druckgrafiken geschaffen. Bei der Wahl seiner Motive ließ er sich häufig auch von bekannten Stoffen der Literatur inspirieren. Im Dante-Jahr 2015 (der große italienische Dichter wäre 750 Jahre alt) zeigt das Horst-Janssen-Museum Dalís Illustrationen zum epochalen Meisterwerk „Die Göttliche Komödie“. „Es ist ein Werk, das mich bis zur Besessenheit anzieht“, schreibt Dalí über seine komplexe literarische Vorlage und überrascht gleichzeitig durch sehr freie Interpretationen der Textstellen.

Don Quijote de la Mancha ist der unerschrockene Held des gleichnamigen Romans (1605 – 1615) von Miguel de Cervantes. Auch ihm hat Dalí mit seinen Werken ein bildnerisches Denkmal gesetzt. Den furchtlosen Ritter, seinen komischen Knappen und die aussichtlosen Kämpfe hat Dalí in zwölf Farblithografien festgehalten, in denen nicht nur die Bilderfindungskraft des Künstlers aufs Schönste zum Vorschein kommt, sondern auch sein experimenteller und innovativer Ansatz im Steindruck. Schließlich hat Salvador Dalí die ersten stereometrischen Grafiken der Kunstgeschichte geschaffen, Dix Recettes d’immortalité (10 Rezepte für die Unsterblichkeit) – Kaltnadelradierungen, in denen er sich mit seiner eigenen Sterblichkeit auseinandersetzt.


14. Juli bis 1. November 2015
Meisterwerke von Horst Janssen aus einer Hamburger Privatsammlung

Mit über neunzig Meisterzeichnungen aus einer Hamburger Privatsammlung zeigt das Horst-Janssen-Museum einen großartigen Überblick über  das gesamte zeichnerische Schaffen Horst Janssens von den 1960er Jahren bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1995. Die Sammlung des Janssen-Biografen Stefan Blessin ist wohl eine der schönsten und aufregendsten Sammlungen mit Werken von Horst Janssen, die es in privater Hand gibt. Seit den 1970er Jahren hat Blessin Janssen als Gesprächspartner, als Freund und auch als Biograf immerwährend begleitet. Fortlaufend hat er dabei  Zeichnungen und Grafiken von Horst Janssen erworben oder vom Künstler zugedacht bekommen. Auch nach Janssens Tod erweitert er seine Sammlung bis auf den heutigen Tag.

Die in der Ausstellung präsentierten  Zeichnungen, Aquarelle und Gouachen sind in ihrer Zusammensetzung einzigartig, zeigen sie doch einen Überblick über sämtliche Vorlieben und Hauptthemen Janssens. Darunter sind viele seiner Selbstporträts, aber auch die gezeichneten Porträt-Köpfe anderer, die „Kopien“ und die Blumen-Stillleben. Des Weiteren Arbeiten zu den für Janssen so zentralen Themen wie Eros und Tod, sowie die aquarellierten Landschaftszeichnungen der Bobethanien-Serie, die Anfang der 1990er Jahre, – in der Folge von Janssens Balkonsturz und seiner damit einhergehenden zeitweiligen Erblindung, entstanden sind.


21. November 2015 bis 14. Februar 2016
Die Geister, die sie riefen ... Lust- und Angstphantasien von Horst Janssen und Johann Heinrich Füssli

Das Horst-Janssen-Museum beschließt das Ausstellungsjahr 2015 mit einem besonderen Höhepunkt: Das Haus präsentiert nicht nur einen der bedeutendsten und extravagantesten Künstler der Zeit um 1800 – Johann Heinrich Füssli (1741-1825) – sondern auch Horst Janssens intensive Auseinandersetzung mit dessen Werk. Damit setzt das Museum die erfolgreiche Reihe von Janssens Zwiegesprächen mit seinen aus der Kunstgeschichte „adoptierten Ahnen“ fort.

Johann Heinrich Füssli, der literarisch hoch gebildete, nach London exilierte Schweizer, verschafft phantastischen Geisterwesen aller Art in seinem Werk eindrucksvolle Auftritte. Hexen, Feen, Albe, Gespenster und Dämonen setzen den Menschen zu und sind die Hauptakteure in seinen unkonventionellen, wirkmächtigen Bilderfindungen. Wir freuen uns, in der Ausstellung einige seiner bedeutendsten Zeichnungen aus unterschiedlichen Schaffensphasen und historische Drucke nach seinen berühmtesten Werken präsentieren zu können. In Füsslis Œuvre besitzt die Zeichnung eine besondere Bedeutung: „Nur im raschen Vollzug des Zeichnens konnte er gestaltend mit der enormen, durch stete Lektüre gespeisten Bilderproduktion seiner Vorstellung Schritt halten.“ (Gert Schiff, 1959) Janssen inspirierte diese spukhafte und emotional entfesselte Bilderwelt Füsslis. Von 1973 bis 1975 schuf er die komplexe und eindringliche Radierfolge „Der Alp – Variationen zu Heinrich Füssli“, die gemeinsam mit ihren Vorlagen im Zentrum der Schau steht. Leihgaben der bedeutendsten Füssli-Sammlungen der Schweiz und Großbritanniens sowie aus Museen in Österreich und Deutschland unterstützten das Projekt in großzügiger Weise. Die Ausstellung bietet zudem den willkommenen Rahmen, den aus Oldenburg stammenden und bis heute bedeutendsten Füssli-Forscher Gert Schiff (1926-1990) zu ehren. Schiffs Todestag jährt sich in diesem Jahr zum 25. Mal und das Museum möchte dazu anregen, diese außergewöhnliche Forscherpersönlichkeit wiederzuentdecken.

Zum Seitenanfang

2014

25. Januar bis 27. April 2014
Final Cut. Papierschnitt als eigenständiges künstlerisches Medium

Der Scheren- bzw. Papierschnitt hat als elementare Gestaltungsmöglichkeit eine lange Tradition, die sich von den Anfängen in China, Indonesien und Persien bis zu seiner Verbreitung in Europa im 17. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Ihre Wurzeln hat die Schneidekunst vor allem im volkstümlichen Brauchtum. Als Liebhaberkunst war sie eine vornehmlich dem Kunsthandwerk zugehörige Fertigkeit, die sich aufgrund einfacher Motive sowie beachtlicher handwerklicher Virtuosität großer Beliebtheit erfreute. In der Klassischen Moderne etablierte Henri Matisse (1869-1954) den Papierschnitt als eigene Kunstform – „Mit der Schere zeichnen“ nannte er den schöpferischen Prozess für seine Arbeiten. Heute ist der Papierschnitt längst eigenständiges Medium innerhalb der zeitgenössischen Kunst. Unabhängig von seinen traditionsreichen Vorbildern hat er eine Entwicklung genommen, die sich durch künstlerische Freiheit auszeichnet, durch eigenwillige Formfindung und erstaunliche Vielfalt.

Siebzehn internationale Künstlerinnen und Künstler zeigen im Horst-Janssen-Museum, dass die Autonomie künstlerischer Gestaltungsprozesse die Grundlage ihrer inspirierenden Arbeiten ist und nicht der klassische Scherenschnitt. So lassen sich z.B. deutliche Einflüsse aus anderen künstlerischen Disziplinen wie Bildhauerei, Malerei oder Grafik erkennen sowie ein Interesse an Architektur oder Zeichnung und Lineament. Darüber hinaus hat sich die Präsentationsform der Papierschnitte vollkommen verändert: vom kleinen Format bis hin zu überraschend großen, raumgreifenden Arbeiten, zu außergewöhnlichen Objekten und filigranen Installationen.


11. Mai bis 6. Juli 2014
„Wie ein Traum!“ Emil Orlik in Japan

Von künstlerischer Neugierde getrieben, reist der Maler, Zeichner und Grafiker Emil Orlik (geboren 1870 in Prag, gestorben 1932 in Berlin) von April 1900 bis Februar 1901 nach Japan. Als einer der ersten europäischen Künstler studiert er vor Ort die für die europäische Kunstwelt der Jahrhundertwende so faszinierende und inspirierende Technik des japanischen Farbholzschnitts. Orlik sucht die Holzschneider und Drucker in ihren Werkstätten auf und überträgt das dort Erlernte und Gesehene auf seine eigenen grafischen Arbeiten. Orliks während und nach der Reise entstandenen Drucke zeugen davon: Sie sind meisterhaft in ihrer technischen Ausführung, in ihrer für die europäischen Sehgewohnheiten fremden Farbgebung und in ihrer exotischen Motivik.

Die Ausstellung präsentiert nahezu vollständig alle in Japan entstandenen sowie nach der Reise durch Japan inspirierten Drucke, darunter Holzschnitte, Lithografien und Radierungen. Ergänzt wird die Schau, deren Exponate aus einer Hamburger Privatsammlung stammen, mit japanischen Farbholzschnitten aus der Sammlung des Stadtmuseums Oldenburg.


26. Juli bis 5. Oktober 2014
Ahmet Öğüt: Apparatuses of Subversion

Mit der Ausstellung „Apparatuses of Subversion“ untersucht Ahmet Öğüt Momente, in denen staatliche oder wirtschaftliche Akteure in die Sphäre des Einzelnen eintreten, um den öffentlichen Raum zu regulieren und damit den gesellschaftlichen Status quo festzuschreiben. Auf der Basis einer genauen Beobachtung aktueller Machtstrukturen und Regierungsstrategien kehrt Öğüt diese Mechanismen mit feinsinniger Ironie und Humor ins Gegenteil oder hebt sie gänzlich auf – so laden Instrumente der Abschottung zum Durchgang ein, während Zensurorgane zu Verteilern von Information umfunktioniert werden.

Durch eine Auswahl an Arbeiten der letzten Jahre entwickelt Öğüt im Ausstellungsraum eine vielschichtige Auseinandersetzung über das Verhältnis von Individuum und Staat. Der Künstler präsentiert den öffentlichen Raum dabei zwischen zwei Extremen: der politischen Bühne und einem restriktiven, durch Zensur und Überwachung kontrollierten Raum. Dieses Spannungsfeld erweitert Öğüt um eine Neuproduktion für das Horst-Janssen-Museum, in der sich öffentlicher und privater Raum auf absurde Weise begegnen. Hier zeigt sich wie sich individuelle Widerständigkeit gegenüber freiheitseinschränkenden Maßnahmen im Alltag ausdrücken kann.


18. Juli bis 16. November 2014
Geile Sybillchen. Erotische Fantasien von Horst Janssen

Das Sujet der erotischen Zeichnungen ist für Horst Janssen von Anfang an inspirierend und von zentraler Bedeutung. Aus diesem Grund widmet das Horst-Janssen-Museum den „geilen Sybillchen“ – wie Janssen sie nennt – eine Sonderausstellung. Bereits seine ersten Radierzyklen sind der Erotik gewidmet. Janssen präsentiert uns fragile Geschöpfe, die in seiner Fantasie Bande knüpfen, mit eleganter, feiner Linie oder auch mit kraftvollem Strich, der die ganze Platte überzieht. Diese Radierungen stehen der Art Brut nahe und sind doch ganz eigenständige Entwürfe des 30-jährigen Künstlers. Wir zeigen ausgewählte Blätter aus „Nana“ und „L’heure de Mylène“.

Schließlich schafft Janssen eine ganze Reihe von Bleistift- und Farbstiftzeichungen, die dem lasziven Frauenakt gewidmet sind und auf der Biennale in Venedig 1968 Furore machen. In dieser Zeit bezeichnet sich Janssen selbst als „Millionenstrichler“ und seine Werke als „Fleischzeichnungen“. Einen Höhepunkt in Janssens erotischer Kunst bildet zweifellos der Aquarellzyklus „Phÿllis“, in dem der Künstler sehr malerisch vorgeht. Seine Werke muten zunächst wie romantische Bilderfindungen an, um sich auf den zweiten Blick als Sadomaso-Inszenierungen zu entpuppen. Aber auch der Humor spielt in Janssens Erotik eine Rolle: In den farbigen, spontanen Aquarellen „Drollerei“, die ab den 1990er Jahren entstehen, findet man einen gelösten, fast spielerisch arbeitenden Künstler, der sich auf wieder neue Art dem Thema nähert. Die Ausstellung veranschaulicht anhand von über 200 Werken die komplexe, künstlerische Entwicklung der erotischen Zeichnungen Horst Janssens von den späten 1950er bis zu seinen letzten Schaffensjahren.


19. Oktober 2014 bis 4. Januar 2015
Ralf Ziervogel: Träger des Horst-Janssen-Grafikpreises der Claus Hüppe-Stiftung 2014

Ralf Ziervogel ist der fünfte Preisträger des Horst-Janssen-Grafikpreises der Claus Hüppe-Stiftung. Er arbeitet in den unterschiedlichen Gattungen Zeichnung, Malerei, Skulptur, Video und Installation und ist vor allem als Zeichner bekannt. In häufig großformatigen Tintenzeichnungen lässt er ornamentale Menschenketten ranken, die untereinander allerdings durch brutale oder obszöne Handlungen verbunden sind. Dabei wird sein vermeintlich misanthropisches Menschenbild von seiner überbordenden Erfindungskraft und einer Detailversessenheit domestiziert und mit feinsten, geradezu delikaten Linien zu Papier gebracht.

In Oldenburg stellt sich Ziervogel auch mit scheinbar gegensätzlichen Werken vor: Auf seinen neuen über 2 Meter hohen Leinwandarbeiten präsentiert er verzweigte Linienkonstrukte auf strahlend weißem Grund. Diese auratischen Bilder, die sich dem Betrachter fast entziehen, liefern dennoch konkrete Informationen: Bei sehr genauem Hinsehen kann man in den haarfeinen Bleistiftlinien Texte des Künstlers entziffern; es handelt sich häufig um Begriffe und Satzfragmente, die wiederum die primitiven Instinkte der menschlichen Lebensform im Inhalt haben. In seinen neuesten Werken arbeitet Ralf Ziervogel mit Tinte und Gouache. Diese „Eskimolieder“ sind von Gesten, die bei der Benutzung von touch screens entstehen, inspiriert. Neben den Spuren, die die Finger auf der Bildschirmoberfläche hinterlassen, tauchen in diesen Arbeiten auch Textelemente gleichermaßen aus der Verborgenheit der virtuellen Welt auf.

Zum Seitenanfang